Anfrage zu Hilfskräften an das Präsidium

Zur Sitzung des Senats am 17.12. hat das Senatsmitglied Andreas Piper eine Anfrage zu studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräften an das Präsidium der Philipps-Universität gerichtet. In der Antwort des Kanzlers fehlen noch die Angaben zur Zahl der Beschäfftigten und deren Arbeitsverträgen. Auch um die politisch besonders brisanten Fragen hat sich Kanzler Friedhelm Nonne gedrückt, das Argument der „Deckelung“ ist sachlich falsch:

„Dr. Nonne erklärt, dass sich die Verwaltung bemühe, die erforderlichen Daten auf die o. g. Frage zusammenzustellen. Eine detaillierte Beantwortung werde zu gegebener Zeit erfolgen. Auf Frage 4, ob es möglich sei qualifizierte Bewerber für Hilfskraftjobs zu gewinnen, antwortet der Kanzler, dass diese Diskussion im Erweiterten Präsidium geführt worden sei. Dort sei die Rückmeldung erfolgt, dass weniger finanzielle als vielmehr strukturelle Probleme (neue Studienstrukturen, weniger Zeit, im Bereich der Informatik haben Studierenden besser Verdienstmöglichkeiten außerhalb der Universität) dafür verantwortlich seien, dass es in einigen Bereichen schwierig sei, studentische Hilfskräfte zu finden. Zu Frage 5 (Gehaltssteigerung der Hilfskräfte) führt der Kanzler aus, dass zur Zeit an allen hessischen Universitäten nach dem Austritt aus der Tarifgemeinschaft der Länder über eine Erhöhung der Hilfskraftgehälter diskutiert würde. Eine Entscheidung stehe noch aus. Konsens gebe es lediglich darüber, dass die Stundensätze an allen hessischen Universitäten gleich sein sollten. Der Präsident ergänzt, dass es im Falle einer Erhöhung der Stundensätze tendenziell zu einer Verkürzung des Arbeitsvolumens kommen werde, da aufgrund des gedeckelten Budgets für Gehaltssteigerungen keinezusätzlichen Mittel zur Verfügung gestellt werden könnten.“


2 Antworten auf “Anfrage zu Hilfskräften an das Präsidium”


  1. 1 Roman 14. Januar 2008 um 18:05 Uhr

    Zuerst noch einmal die gesamte Anfrage:

    Anfrage von Herrn Dr. Andres Piper zu wissenschaftlichen und studentischen Hilfskräften vom 10.12.2007

    Wissenschaftliche Hilfskräfte und studentische Hilfskräfte nach § 87 des Hessischen Hochschulgesetzes sind eine der größten Beschäftigtengruppen der Universität. Deren Bezahlung erfolgt außertariflich, denn mit §3g des BAT sind sie aus dessen Geltungsbereich ausgeschlossen. Das Entgelt für studentische Hilfskräfte liegt – gemäß einer früher auch für Hessen gültigen Richtlinie der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) – seit 1993 bei 8,02 Euro, für wissenschaftliche Hilfskräfte bei 12,69 Euro. Nach dem Austritt Hessens aus der TdL hat das Land den Hochschulen 2004 freigestellt, die Bezahlung der studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräfte eigenständig zu regeln und auf eine weitere Regelung per Erlass verzichtet. Angesichts der damit seit über zwei Jahren bei der Philipps-Universität liegenden Verantwortung für die Bezahlung von studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräften und angesichts der im Oktober 2007 per Gesetz beschlossenen Erhöhung der Tarifentgelte der hessischen Landesbeschäftigten, bitten wir das Präsidium um die Beantwortung der folgenden Fragen:

    1. Wie viele studentische Hilfskräfte und wie viele wissenschaftliche Hilfskräfte sind, differenziert nach Geschlecht, zum gegenwärtigen Zeitpunkt an der Philipps-Universität beschäftigt? Wie verteilen sie sich, ebenfalls nach Geschlecht getrennt, auf die einzelnen Fachbereiche und die zentralen Einrichtungen? Wie viele von ihnen werden aus Studienbeitragsmitteln bezahlt? Wie viele von ihnen üben vorrangig studiennahe Dienstleistungen aus, wie sie das HHG seit neuestem zulässt?

    2. Welche Laufzeit und welchen Stundenumfang haben Verträge für studentische bzw. wissenschaftliche Hilfskräfte an den einzelnen Fachbereichen und zentralen Einrichtungen im Durchschnitt?

    3. Wie groß war die Zahl der beschäftigten wissenschaftlichen sowie der beschäftigten studentischen Hilfskräfte zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr, ebenfalls differenziert nach Geschlecht und nach Fachbereich?

    4. Wie schätzt das Präsidium, angesichts des nunmehr 14 Jahre andauernden Reallohnverlusts der studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräfte und alternativer Verdienstmöglichkeiten etwa durch „Unterrichtsgarantie plus“, die Möglichkeiten ein, qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber für diese Arbeitsverhältnisse zur Sicherstellung von hochwertiger Forschung und Lehre zu gewinnen?

    5. Plant das Präsidium, die Gehälter der wissenschaftlichen und studentischen Hilfskräfte entsprechend der aktuellen gesetzlichen Einkommenserhöhung der Tarifbeschäftigten anzuheben? Wenn nein, warum nicht?

    6. Geht das Präsidium davon aus, dass die wachsende Differenz der Bezahlung von wissenschaftlichen Hilfskräften im Vergleich zu wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach dem BAT einer entsprechend geringer werdenden qualitativen Wertigkeit der Arbeit von wissenschaftlichen Hilfskräften entspricht?

    7. Wie wird das Präsidium in Zukunft mit den der Universität zugesprochenen Regelungskompetenzen bezüglich der Bezahlung von studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräften umgehen?

    Bei der knappen Antwort des Kanzlers fällt mir folgendes auf:

    a) Der Kanzler ignoriert alle Fragen, die sich auf wissenschaftliche Hilfskräfte beziehen und redet nur von den studentischen Hilfskräften. Frage 6 bleibt somit unbeantwortet (kein Wunder).

    b) Zumindest gibt er zu, dass es zu den aktuellen Stundensätzen in einigen Bereichen nicht mehr Möglich ist, BewerberInnen zu finden, allerdiungs ohne daraus irgendeinen Hanlungsbedarf abzuleiten. Anscheinend hat also auch die Einführung der MA und BA-Studiengänge die Situation verschärft. Sehr interessant, das vom Präsidium zu hören…

    c) Gegen eine einheitliche Regelung der hessischen Hochschulen ist ansich nichts einzuwenden. Es fragt sich allerdings, warum sie dafür mehr als drei Jahre brauchen und wie lange wir noch auf ein Ergebnis warten sollen.

    d) Die Mittel für Hilfskräfte sind nicht gedeckelt: Die Fachbereiche erhalten seit 2003 ein Globalbudget, aus dem sie ihre Ausgaben unabhängig von der konkreten Verwendung bestreiten können. In zahlreichen Fachbereichen sind wegen unbesetzter Stellen in den letzten Jahren zudem große Überschüsse angefallen. Aber am wichtigsten: Das Anliegen einer vernünftigen Bezahlung der Hilfskräfte ist sachlich gut begründet, wie die Universität und das Land Hessen das umsetzt ist zuerst ihr eigenes Problem. Wenn man das Argument des Kanzlers ernstnimmt, dann bedeutet es, dass nur eine Beschäftigtengruppe – nämlich die studentischen und die wissenschaftlichen Hilfskräfte – die Unterfinanzierung der Hochschulen auszubaden hat.

  2. 2 Andreas Staets 21. Januar 2008 um 18:46 Uhr

    Schön finde ich, dass „bessere Verdienstmöglichkeiten außerhalb der Universität“ anscheinend kein finanzielles sondern vielmehr ein strukturelles Problem sein soll, das dazu führt, „dass es in einigen Bereichen schwierig sei, studentische Hilfskräfte zu finden“. Da könnte man doch locker strukturell mit einer Struktur höherer Gehälter an der Uni gegenhalten. Auch die totale Verschulung und Verplanung der Studierenden in vielen neuen Ba/Ma-Studiengängen ist hausgemacht und wäre in diesem Umfang ebenso wenig nötig, wie die dort von niemandem (auch nicht von den Prüfern) zu bewältigende Menge der Prüfungen. Hier rächt sich, dass die Universität die verzweifelte Bitte des zuständigen Ausschusses und der GEW-Verdi-Senatsfraktion, Ba/Ma grundsätzlich zu diskutieren und zentrale Vorgaben für die Fachbereiche zu erlassen, jahrelang ignoriert hat.

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