Archiv für Februar 2008

Wir sind viele!

Am 1.12.2007 gab es an der Philipps-Universität 124 wissenschaftliche Hilfskräfte und 1.130 studentische Hilfskräfte. Die meisten wissenschaftlichen Hilfskräfte entfallen dabei auf die Fachbereiche Gesellschaftswissenschaften (16), Erziehungswissenschaften (13) und Germanistik (12). Die meisten studentischen Hilfskräfte arbeiten in der Germanistik (119), den Gesellschaftswissenschaften (114) un der Medizin (85).

Die durchschnittliche Vertragslaufzeit liegt bei den wissenschaftlichen Hilfskräften bei 254,33 Tagen und bei den studentischen Hilfskräften bei 174,74 Tagen. Die durchschnittliche Monatsarbeitszeit beträgt bei den wissenschaftlichen Hilfskräften 63,83 Stunden, bei den studentischen Hilfskräften 31,2 Stunden. Dies bestätigt ein wesentliches Ergebnis der Marburger Hilfskraftstudie (vgl. Regelmann 2005): Die Arbeitsverhältnisse sind in allen Hinsichten prekär: Die Vertragslaufzeit ist sehr kurz: meist weniger als ein Semester bei den studentischen und weniger als ein Jahr bei den wissenschaftlichen Hilfskräften. Der Umfang der Arbeitsverhältnisse ist zu gering, um einen relevanten Beitrag zum Lebensunterhalt leisten zu können. Bei den wissenschaftlichen Hilfskräften, bei denen die Stelle in der Regel das einzige Einkommen sein dürfte, liegt er deutlich unter dem Umfang von einer halben Stelle!

23% der wissenschaftlichen Hilfskräfte und 26% der studentischen Hilfskräfte werden aus „Studienbeitragsmitteln“ finanziert. Etwa in dieser Größenordnung hat die Zahl der Hilfskräfte im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Diese Zahlen bestätigen einen Kritikpunkt an den Studiengebühren: Sie führen offensichtlich nicht zu einem Ausbau der regulären Mittelbau- und Professorenstellen, sondern nur zu einer Ausdehnung von prekären Beschäftigungsverhältnissen.

Der Frauenanteil liegt bei den wissenschaftlichen Hilfskräften bei 51% und bei den studentischen Hilfskräften bei 55%. Dabei entspricht der Anteil der Frauen an den studentischen Hilfskräften noch ihrem Anteil an den Studierenden, der 55,9% beträgt. Doch schon bei den wissenschaftlichen Hilfskräften scheint der bekannte Zusammenhang einzusetzen, dass Frauen auf den höheren akademischen Hirarchieebenen immer seltener vertreten sind.

Die Ergebnisse finden sich in der Antwort des Präsidiums auf eine Senatsanfrage:

�bersichtHilfskräfte

Frankfurter Rundschau berichtet

Die Frankfurter Rundschau hat am 12. Februar über die Situation der Hilfskräfte in Hessen berichtet. Die Campus-Seite erscheint jedoch nur in der Südhessen-Ausgabe. In Folge der Artikel, wie er sich Online findet:

Koalition der Unterbezahlten

An den meisten hessischen Hochschulen verdienen die studentischen Hilfskräfte nicht mehr als acht Euro pro Stunde

VON GESA COORDES

Seit 15 Jahren warten sie auf eine Gehaltserhöhung. Von April an können sich die hessischen Uni-Beschäftigten bis hinauf zu den Professoren über 2,4 Prozent mehr Geld freuen. Nur die studentischen Hilfskräfte gehen wieder einmal leer aus.

In Marburg fordern die Hiwis deshalb in Unterschriftenlisten, Beschwerdebriefen und Protestversammlungen mehr Lohn für ihre Arbeit. In Kassel und Gießen formiert sich ebenfalls Protest. Doch angesichts der Sparmaßnahmen an den Universitäten bewegen sich die Hochschulleitungen bislang kaum. Einzige Ausnahme ist die FH Frankfurt, wo nun höhere Stundenlöhne gezahlt werden.

Mehr als 10 000 studentische Hilfskräfte gibt es in Hessen. Sie arbeiten den Hochschullehrern in der Forschung zu, korrigieren Klausuren, beraten Studienanfänger, betreuen Projekte und leiten Tutorien. Doch die Nebenjobs an der Uni sind nur auf den ersten Blick ideal: Unbezahlte Überstunden sind an vielen Fachbereichen selbstverständlich, und die Stundenlöhne sind niedrig: 8,02 Euro erhalten die Hilfskräfte an Hessens Universitäten. An den Fachhochschulen sind es normalerweise sogar nur 5,58 Euro pro Stunde.

FH Frankfurt entlohnt besser

Die Marburger Hiwis fordern daher von der Hochschulleitung analog zu den übrigen Landesbediensteten 2,4 Prozent mehr Lohn. Damit sind sie noch bescheiden. Schließlich hatten die übrigen Uni-Beschäftigten in den vergangenen 15 Jahren ein Plus von mehr als 19 Prozent mehr Gehalt, die Inflationsrate summiert sich auf über 20 Prozent. Doch die Hochschulleitung will das Thema erst auf einer der nächsten Sitzungen der Konferenz hessischer Universitätspräsidien erörtern. „Dass sich die Hochschulleitung hier aus der Verantwortung stehlen will und auf Zeit spielt, ist ein Skandal“, kommentiert die stellvertretende Asta-Vorsitzende Karin Zennig. „Die Hochschulen hatten bereits drei Jahre Zeit sich abzustimmen“, sagt Andreas Staets, hessischer GEW-Gewerkschaftssekretär für Hochschule. Seit 2004 liegt die Verantwortung für die Gehälter der Hiwis in Hessen nämlich bei den Universitäten. Man könnte auch sagen: Die Hochschulen können ihren Hilfskräften so viel zahlen, wie es ihnen beliebt. Die alten Löhne gehen auf einen Beschluss der Kultusminister zurück.

An der Universität Frankfurt, der TU Darmstadt und der FH Gießen-Friedberg sind denn auch keine Erhöhungen geplant. An der Uni Gießen wird die Frage geprüft. Nur die FH Frankfurt schert überraschend aus: Dort bekommen Tutoren und studentische Hilfskräfte seit dem 1. September neun Euro pro Stunde. „Sie haben lange keine Erhöhung bekommen“, erklärt FH-Sprecherin Gaby von Rauner den Beschluss des Präsidiums: „Man fand, dass sie zu wenig verdienen.“ Zudem wolle sich die Hochschule damit an den Marktbedingungen orientieren.

Tatsächlich sei es vor allem in Frankfurt mitunter schwierig, studentische Hilfskräfte zu gewinnen, erklärt Gewerkschafter Staets. Die Studierenden könnten nämlich anderswo mehr verdienen. Eine Studie der GEW kam daher schon 2005 zu dem Ergebnis, dass man sich den Hiwi-Job leisten können muss. Die studentischen Uni-Mitarbeiter rekrutieren sich denn auch vor allem aus finanziell privilegierten Schichten.

Kein Tarifvertrag in Hessen

Die prekäre Bezahlung hängt natürlich auch damit zusammen, dass es den seit Jahren geforderten Tarifvertrag bislang nur in Berlin gibt. Dort verdienen die studentischen Hilfskräfte inzwischen knapp 20 Euro pro Stunde und haben mehr Urlaub. „Diese Arbeitsbedingungen hätten wir alle gern“, kommentiert Staets.

Dagegen verweist die Marburger Uni-Sprecherin Viola Düwert darauf, dass studentische Hilfskräfte in Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg noch schlechter bezahlt werden. Die Marburger Studierenden haben trotzdem ein Ultimatum gestellt. Bis zum 31. März wollen sie mit den übrigen Beschäftigten gleich gestellt werden.

http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/campus/?em_cnt=1286733