Frankfurter Rundschau berichtet

Die Frankfurter Rundschau hat am 12. Februar über die Situation der Hilfskräfte in Hessen berichtet. Die Campus-Seite erscheint jedoch nur in der Südhessen-Ausgabe. In Folge der Artikel, wie er sich Online findet:

Koalition der Unterbezahlten

An den meisten hessischen Hochschulen verdienen die studentischen Hilfskräfte nicht mehr als acht Euro pro Stunde

VON GESA COORDES

Seit 15 Jahren warten sie auf eine Gehaltserhöhung. Von April an können sich die hessischen Uni-Beschäftigten bis hinauf zu den Professoren über 2,4 Prozent mehr Geld freuen. Nur die studentischen Hilfskräfte gehen wieder einmal leer aus.

In Marburg fordern die Hiwis deshalb in Unterschriftenlisten, Beschwerdebriefen und Protestversammlungen mehr Lohn für ihre Arbeit. In Kassel und Gießen formiert sich ebenfalls Protest. Doch angesichts der Sparmaßnahmen an den Universitäten bewegen sich die Hochschulleitungen bislang kaum. Einzige Ausnahme ist die FH Frankfurt, wo nun höhere Stundenlöhne gezahlt werden.

Mehr als 10 000 studentische Hilfskräfte gibt es in Hessen. Sie arbeiten den Hochschullehrern in der Forschung zu, korrigieren Klausuren, beraten Studienanfänger, betreuen Projekte und leiten Tutorien. Doch die Nebenjobs an der Uni sind nur auf den ersten Blick ideal: Unbezahlte Überstunden sind an vielen Fachbereichen selbstverständlich, und die Stundenlöhne sind niedrig: 8,02 Euro erhalten die Hilfskräfte an Hessens Universitäten. An den Fachhochschulen sind es normalerweise sogar nur 5,58 Euro pro Stunde.

FH Frankfurt entlohnt besser

Die Marburger Hiwis fordern daher von der Hochschulleitung analog zu den übrigen Landesbediensteten 2,4 Prozent mehr Lohn. Damit sind sie noch bescheiden. Schließlich hatten die übrigen Uni-Beschäftigten in den vergangenen 15 Jahren ein Plus von mehr als 19 Prozent mehr Gehalt, die Inflationsrate summiert sich auf über 20 Prozent. Doch die Hochschulleitung will das Thema erst auf einer der nächsten Sitzungen der Konferenz hessischer Universitätspräsidien erörtern. „Dass sich die Hochschulleitung hier aus der Verantwortung stehlen will und auf Zeit spielt, ist ein Skandal“, kommentiert die stellvertretende Asta-Vorsitzende Karin Zennig. „Die Hochschulen hatten bereits drei Jahre Zeit sich abzustimmen“, sagt Andreas Staets, hessischer GEW-Gewerkschaftssekretär für Hochschule. Seit 2004 liegt die Verantwortung für die Gehälter der Hiwis in Hessen nämlich bei den Universitäten. Man könnte auch sagen: Die Hochschulen können ihren Hilfskräften so viel zahlen, wie es ihnen beliebt. Die alten Löhne gehen auf einen Beschluss der Kultusminister zurück.

An der Universität Frankfurt, der TU Darmstadt und der FH Gießen-Friedberg sind denn auch keine Erhöhungen geplant. An der Uni Gießen wird die Frage geprüft. Nur die FH Frankfurt schert überraschend aus: Dort bekommen Tutoren und studentische Hilfskräfte seit dem 1. September neun Euro pro Stunde. „Sie haben lange keine Erhöhung bekommen“, erklärt FH-Sprecherin Gaby von Rauner den Beschluss des Präsidiums: „Man fand, dass sie zu wenig verdienen.“ Zudem wolle sich die Hochschule damit an den Marktbedingungen orientieren.

Tatsächlich sei es vor allem in Frankfurt mitunter schwierig, studentische Hilfskräfte zu gewinnen, erklärt Gewerkschafter Staets. Die Studierenden könnten nämlich anderswo mehr verdienen. Eine Studie der GEW kam daher schon 2005 zu dem Ergebnis, dass man sich den Hiwi-Job leisten können muss. Die studentischen Uni-Mitarbeiter rekrutieren sich denn auch vor allem aus finanziell privilegierten Schichten.

Kein Tarifvertrag in Hessen

Die prekäre Bezahlung hängt natürlich auch damit zusammen, dass es den seit Jahren geforderten Tarifvertrag bislang nur in Berlin gibt. Dort verdienen die studentischen Hilfskräfte inzwischen knapp 20 Euro pro Stunde und haben mehr Urlaub. „Diese Arbeitsbedingungen hätten wir alle gern“, kommentiert Staets.

Dagegen verweist die Marburger Uni-Sprecherin Viola Düwert darauf, dass studentische Hilfskräfte in Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg noch schlechter bezahlt werden. Die Marburger Studierenden haben trotzdem ein Ultimatum gestellt. Bis zum 31. März wollen sie mit den übrigen Beschäftigten gleich gestellt werden.

http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/campus/?em_cnt=1286733


1 Antwort auf “Frankfurter Rundschau berichtet”


  1. 1 Roman 15. Februar 2008 um 16:22 Uhr

    Insgesamt ein für uns erfreulicher Artikel. Bezogen auf die Entlohnung der Hilfskräfte in Berlin hat sich ein Fehler eingeschlichen: Dort gibt es 11 Euro – keine 20.

    Schade ist auch, dass die besondere Situation der wissenschaftlichen Hilfskräfte keine Erwähnung findet.

    So „bescheiden“ sind wir wie ich meine nicht, schließlich ist der Ausgleich des Lohnverlusts der letzten 15 Jahre ja auf der Hilfskräfteversammlung ebenfalls als Forderung verabschiedet worden.

    Hinter den neuen Euro an der FH-Frankfurt sollte auch die Philipp-Universität nicht zurückbleiben.

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