Mehr Geld, mehr Urlaub, tariflicher Schutz?

In diesem Sommer können Hilfskräfte für sich die Vorteile eines Tarifvertrages erstreiten, denn die Gewerkschaften haben gegenüber dem Land Gespräche über den Einbezug der Hilfskräfte in den Tarifvertrag des Landes durchgesetzt.

Am 12. und 26. Februar beteiligten sich studentische Hilfskräfte aus Marburg und Gießen sichtbar am Warnstreik der Landesbeschäftigten. Der Ende März von den Gewerkschaften erreichte Tarifabschluss bringt den Landesbeschäftigten ab 1. April 3 Prozent mehr Geld. Das gilt auch an den Hochschulen – aber nicht für Hilfskräfte, denn sie sind aus dem Tarifvertrag ausdrücklich ausgeschlossen. Die Höhe ihres Gehalts legen in Hessen seit 2004 einseitig die Hochschulen fest. Nun müssten sich die studentischen Hilfskräfte also wieder mit Resolutionen und Protesten an die jeweilige Hochschulleitung wenden, wenn ihre Bezahlung nicht nach und nach von der Inflation aufgezehrt werden soll. Im vergangenen Jahr gelang es auf diesem Weg nach 15 Jahren ohne Lohnanpassung an den Universitäten eine Lohnerhöhung um magere 6 Prozent zu erreichen.

Doch die Beteiligung von studentischen Hilfskräften am Warnstreik kann auch für sie selbst noch Früchte tragen. Es gelang den Gewerkschaften nämlich, gegenüber dem Land Hessen Gespräche darüber durchzusetzen, ob Hilfskräften in den Tarifvertrag aufgenommen werden. Das würde Hilfskräfte nicht nur an die Gehaltsentwicklung im Öffentlichen Dienst ankoppeln. Es würde ihnen unter anderem auch mehr Urlaub, Anspruch auf bezahlte Überstunden, auf Nacht- und Feiertagszuschläge und eine verbesserte Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bringen. Allerdings haben in Tarifgesprächen mit Arbeitgebern gute Argumente allein meist wenig Wirkung. Es kommt also darauf an, dass die studentischen Hilfskräfte jetzt selbst an den Hochschulen und in der Öffentlichkeit klar machen, dass sie meist sehr flexibel und schlecht bezahlt hochqualifizierte Arbeit leisten, ohne die die Hochschulen ihre Aufgaben nicht erfüllen könnten. Schließlich stehen an den hessischen Hochschulen etwa 10.000 Hilfskräfte gerade einmal 3.000 Professuren und knapp 8.000 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber. Es geht also derzeit auch darum, ob viele Studierende für ihre gute Arbeit auch einen substanziellen Beitrag ihrer Studienfinanzierung erhalten. Studentische Hilfskräfte, die in diesem Sommer für eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen aktiv werden, tun nicht nur sich selbst einen Gefallen, sondern helfen auch künftigen Studierendengenerationen das Studium finanziell schultern zu können.
Andreas Staets, GEW Hessen