Archiv für Mai 2010

Hilfskraftinitiative auf Großdemonstration in Wiesbaden

Am 11. Mai 2010 haben in Wiesbaden über 10.000 Studierende und Beschäftigte gegen die von der CDU/FDP-Landesregierung geforderten Einsparungen an den hessischen Hochschulen demonstriert. In diesem Rahmen hat auch die Hilfskraftinitiative auf die besonderen Problemlagen dieser Gruppe hingewiesen. Als Beschäftigte und als Studierende droht eine doppelte Betroffenheit von den zu befürchtenden Sparmaßnahmen. Unsere Forderung nach eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, insbesondere auch über einen Tarifvertrag, gewinnt dadurch weiter an Dringlichkeit.

Hilfskraefte in den Tarifvertrag!

anders.besser.mehr

Mi., 19.05.2010, 18 Uhr,
Hörsaal im Orientzentrum,
Deutschhausstr. 12

SPON zu Hilfskräften

Spiegel Online beschäftigt sich in einem aktuellen Beitrag mit den Arbeitsbedingungen von studentischen Hilfskräften bundesweit. Auch über uns wird berichtet.

Zusammen sind wir weniger allein – Gemeinsam protestieren gegen den Hochschulpakt!

Es regt sich massiver Protest gegen das von der hessischen Landesregierung im neuen Hochschulpakt verhängte 30 Millionen Euro Sparpaket. Diesmal sind selbst Präsidium und die ProfessorInnenschaft davon überzeugt, dass das so nicht geht. Abe nur weil alle Angehörigen der Universität gemeinsam gegen die geplanten Kürzungen sind, heißt das nicht, dass auch alle gleichermaßen davon betroffen sind. Denn die universitären Verteilungskämpfe haben längst begonnen – und die Verlierer stehen bereits fest.

Sparen an Bildung ist wieder in
Drastische Kürzungen im Bildungs- und Sozialbereich haben in Hessen mittlerweile eine langehegte Tradition – wir erinnern uns an die „Operation Sichere Zukunft“ im Jahr 2003 oder die Einführung allgemeiner Studiengebühren im WiSe 2006/07. Nun sollen krisenbedingte Steuerausfälle mit Hilfe des neuen Hochschulpaktes durch Millionenkürzungen auf die Hochschulen abgewälzt werden. Dabei sind finanzielle Kürzungen immer auch ein Angriff auf die Anzahl und die Qualität der Arbeitsverhältnisse in öffentlichen Institutionen – besonders an den Universitäten, wo ein besonders hoher Anteil des Etats für Beschäftigungsverhältnisse benötigt wird (an der Philipps-Universität beträgt das Personalbudget bis zu 80% des Gesamtbudgets).

Personaleinsparungen nach unten deligiert
Wer von den pauschalen Einsparungen beim Personal, wie sie von der Marburger Unipräsidentin Katharina Krause in einer Präsentation zum Hochschulpakt bereits angekündigt wurden, besonders betroffen sein wird, können wir uns leicht ausrechnen: Es sind vor allem Beschäftigte mit befristeten Verträgen, die nicht mehr verlängert werden. Es sind die nicht tarifvertraglich abgesicherten Beschäftigten, deren Reallöhne weiter gedrückt werden. Und es sind alle anderen, die in der Hierarchie der Universität weit genug unten stehen, um Angst um ihren Arbeitsplatz zu haben. Auf uns wissenschaftliche und studentische Beschäftigte treffen all diese Merkmale zu, so dass sich am jetzt schon prekären Status unserer Beschäftigung – kurze Vertragslaufzeiten, vergleichsweise geringe Entlohnung, unbezahlte Mehrarbeit – durch die Sparmaßnahmen noch einiges verschlechtern wird.

Bisher erkämpftes in Gefahr
So können z. B. bisher erkämpfte Verbesserungen bei der Bezahlung durch die Hochschulen in Frage gestellt werden und auch die Verabschiedung der Richtlinie zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Hilfskräften (die u.a. Mindeststundenzahlen und – vertragslaufzeiten festlegen sollte) rückt zunächst in weite Ferne. Die unbezahlte Mehrarbeit wird durch die Delegierung von immer verantwortungsvolleren Aufgaben an Hilfskräfte zunehmen. Der bestehende Einstellungsstopp fordert schon jetzt seinen Tribut von den Hilfskräften, die aufgrund noch nicht unterschriebener neuer bzw. fehlender Verlängerungen bestehender Arbeitsverträge momentan teilweise ohne Bezahlung arbeiten. Dabei sind die miserablen Arbeitsbedingungen für studentische und wissenschaftliche Beschäftigte alles andere als ein Luxusproblem von Studierenden, die den ein oder anderen Euro nebenher verdienen wollen. Ein erheblicher Teil der studentischen Beschäftigten muss sich von dem Geld zumindest zum Teil den Lebensunterhalt finanzieren. Für die wissenschaftlichen Hilfskräfte, die de facto die gleiche Arbeit wie „reguläre“ wissenschaftliche Beschäftigte leisten, gilt dies noch in erhöhtem Maße.

Was tun wenns brennt?
Wie aber sollen wir Hilfskräfte uns nun in den folgenden Auseinandersetzungen mit der Landesregierung und innerhalb der eigenen Unis verhalten? Ein kraftvoller Protest gegen die Kürzungen der hessischen Regierung an den Hochschulen ist auf jeden Fall angebracht – insbesondere auch im Bündnis mit den anderen Beschäftigten an den Hochschulen. Auch die Solidarität mit anderen Bevölkerungsgruppen, die ebenfalls oder noch prekärer leben und arbeiten müssen, und die besonders unter der Krisenhaftigkeit des bestehenden Wirtschaftssystems leiden, sollte dabei nicht vernachlässigt werden.

Laut und solidarisch protestieren
In den weiteren Auseinandersetzungen, die innerhalb der Hochschulen drohen, sollten wir in jedem Fall die unterschiedlichen Interessenlagen zwischen privilegiert und prekär Beschäftigten sowie zwischen den Hierarchieebenen klar machen. Dabei sollten die Beschäftigteninterssen gemeinsam mit Personalräten, Gewerkschaften, Studierendenvertretungen und sonstigen möglichen BündnispartnerInnen klar formuliert und durchgesetzt werden. Eine klar formulierte Position durch uns als prekär Beschäftigte schützt dabei sowohl vor einer Identifikation mit dem vermeintlichen Gesamtinteresse der Universität, zu deren Wohl wir alle „den Gürtel enger schnallen müssen“, als auch vor Vereinnahmungen in inszenierten und häufig peinlich wirkenden Machtspielchen zwischen einzelnen Fachbereichen, Instituten und ProfessorInnen.

Konkret können wir uns als Hilfskräfte auf folgenden Versammlungen und Veranstaltungen artikulieren:

Di., 11.05., 15 Uhr in Wiesbaden: Demo gegen Hochschulpakt und Kürzungen – zur gemeinsamen Anreise treffen wir uns um 12.00 Uhr am Marburger Hauptbahnhof

Mi., 19.05., 18 Uhr im Orientzentrumin in der Deutschhausstraße 12 (Hörsaal 00A26): uniweite Hilfskraft-Vollversammlung

Immer gut: Mitmachen in der Hilfskraftinitiative!!!