Archiv für September 2010

Around the Clock: Nachtarbeit von Hilfskräften

Studentische Hilfskräfte an der Philipps-Universität arbeiten nicht nur am Tag, sondern mitunter auch in der Nacht: In der Universitätsbibliothek ermöglichen sie die Öffnung bis um Mitternacht. In der Marburger Hilfskraftstudie haben mehrere Hilfskräfte von ihrem Kampf gegen die Müdigkeit berichtet, wenn sie im Schlaflabor schlafmedizinische Untersuchungen betreuen. Normalerweise wird Nachtarbeit durch einen Zuschlag honoriert – schließlich ist Nachtarbeit besonders schlecht mit dem Biorhythmus fast aller Menschen vereinbar. Zudem verpasst man durch sie auch das Zeitfenster für die meisten anderen Aktivitäten, sei es am (späteren) Abend, oder am folgenden Vormittag. Hilfskräfte aber erhalten auch bei Nachtarbeit an der Philipps-Universität bislang nur den ganz gewöhnlichen Stundensatz. Diese Praxis steht aber im Widerspruch zu einer Bestimmung des Arbeitszeitgesetzes, welches in § 6, Absatz 5 regelt:

„Soweit keine tarifvertraglichen Ausgleichsregelungen bestehen, hat der Arbeitgeber dem Nachtarbeitnehmer für die während der Nachtzeit geleisteten Arbeitsstunden eine angemessene Zahl bezahlter freier Tage oder einen angemessenen Zuschlag auf das ihm hierfür zustehende Bruttoarbeitsentgelt zu gewähren.“

Als Nachtarbeit wird in § 2, Absatz 3 Arbeit zwischen 23 und sechs Uhr definiert.

Tarifbeschäftigte erhalten in Hessen für Nachtarbeit einen Zuschlag von 20%. Nachtarbeit beginnt nach dem Tarifvertrag-Hessen (TV-H) allerdings schon um 21 Uhr. Für Samstagsarbeit ab 13 Uhr erhalten Tarifbeschäftigte ebenfalls einen Zuschlag von 20%, für Sonntagsarbeit 25% und für Feiertagsarbeit 135%. Da Hilfskräfte aus dem für die Beschäftigten der Uni geltenden TV-H ausgenommen sind, müsste die Universität ihnen zumindest auf Grundlage des Arbeitszeitgesetzes einen „angemessenen“ Zuschlag für Nachtarbeit einräumen. Der Personalrat hat angekündigt, dies nun von der Hochschulleitung einzufordern.