Neue Belege für alte Probleme

In 2010 sind mehrere wissenschaftliche Arbeiten erschienen, die sich mit studentischen (und wissenschaftlichen) Hilfskräften beschäftigen. Dort finden sich Argumente, die die Forderungen der Hilfskraftinitiative unterstützen:

Christian Schneickert/Alexander Lenger: Studentische Hilfskräfte im deutschen Bildungswesen, in: Berliner Journal für Soziologie, 2/2010

Die Autoren ordnen die prekäre Stellung von Hilfskräften als ein Ausdruck der spezifischen Strukturen des Wissenschaftssystems ein.

Das Berliner Journal für Soziologie ist in der Bibliothek für Soziologie vorhanden oder über OPAC als elektronische Ressource verfügbar.

Britta Lammers: ‚Leistung wird belohnt‘ oder ‚Bürgerliche suchen Bürgerkinder‘? Die Rekrutierung studentischer Hilfskräfte am Beispiel der Universität Oldenburg, Oldenburger Studien zur Europäisierung und zur transnationalen Regulierung, Ausgewählte Abschlussarbeiten 2010/02

Die Autorin hat, unter Rückgriff auf die Theorie des sozialen Feldes von Pierre Bourdieu, die Rekrutierungspraxis von studentischen Hilfskräften durch ProfessorInnen der Uni Oldenburg empirisch untersucht. Sie stellt fest, dass diese überwiegend informell und hinsichtlich der Auswahlkriterien unsystematisch und unreflektiert abläuft. Dadurch wird das legitime Prinzip der Auswahl nach Eignung durch die illegitime Auswahl nach sozialer Ähnlichkeit konterkariert.

Wolfgang Isserstedt/Elke Middendorf/Maren Kandulla/Lars Borchert/Michael Leszczensky: Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland 2009, 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks durchgeführt durch HIS Hochschul-Informations-Systeme, Berlin 2010

Die aktuelle Sozialerhebung des DSW beschäftigt sich auch mit studentischer Erwerbstätigkeit und legt nun auch dar, welchen Tätigkeiten Studierende in Abhängigkeit von ihrer sozialen Herkunft nachgehen. Studierende aus den beiden niedrigen sozialen Herkunftsgruppen sind zu 28% als studentische oder als wissenschaftliche Hilfskraft tätig. In der gehobenen sozialen Herkunftsgruppe sind es hingegen 33% und in der hohen sozialen Herkunftsgruppe 37% (S. 393). Diese Zahlen bestätigen die These der Marburger Hilfskraftstsudie aus 2004, dass man es sich „leisten können muss“, als Hilfskraft zu arbeiten. Der durchschnittliche Stundenverdienst aller jobbenden Studierenden liegt bei 10 Euro (S. 395), die Hilfskrafttätigkeit gehört also nicht zu den verhältnismäßig gut bezahlten Studierendenjobs.


2 Antworten auf “Neue Belege für alte Probleme”


  1. 1 S_V 25. Januar 2011 um 15:52 Uhr

    10 Euro ist nicht gut bezahlt O__o? In Relation zu was?

    Ich habe davor als Putzfrau (7,50 die Stunde), Kellnerin (5, – die Stunde; kein Trinkgeld) und Hundesitter (7,50 die Stunde) gearbeitet.

    Mein hiwi-Job ist der höchste Lohne, den ich bisher je verdient habe. Versuch mal als Kassiererin 10 Euro pro Stunde rauszuschlagen – ha ha ha.

    Homosoziale Kooption – ja, find ich total. Aber ich bin nicht prektär beschäftigt, sondern privilegiert.

  2. 2 Roman 28. Februar 2011 um 17:29 Uhr

    10,00 Euro ist der von der Sozialerhebung des DSW ermittelte durchschnittliche Studenlohn im Nebenjob von Studierenden. Es gibt durchaus viele, die weniger verdienen (z.B. bei den genannten Tätigkeiten), es gibt aber eben auch viele, die mehr verdienen. Der an der PUM gezahlte Stundensatz von 8,50 Euro für Hilfskräfte ohne Abschluss liegt demnach unterhalb des Durchschnitts, der höhere Satz von 10,00 Euro für studentische Hilfskräfte mit Abschluss entspricht ihm genau.

    Möglicherweise schließt sich ein prekäres Beschäftigungsverhältnis (untertariflich, nicht oder nur teilweise sozialversichert, befristet: die wesentlichen Kriterien von Prekarität treffen alle auf Hilfskräfte zu) und Privelegierung – zumindest in manchen Hinsichten – ja nicht aus?

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.