Archiv für April 2011

Welche Rechte habe ich im Job? Hilfskraft-Sprechstunde: montags, 14.30 im AStA

Fragen zu eurem Arbeitsverhältnis als studentische Hilfskraft oder zum Hilfskraftleitfaden klären wir gemeinsam in der Hilfskraft-Sprechstunde: ab 18.04. jeden Montag um 14.30 im AStA (FSK-Raum). Viele dieser Fragen, z.B. zu Urlaubsansprüchen, Steuerfreibeträgen oder Versicherungsleistungen kann euch auch die Sozialberatung des AStA beantworten. Das Angebot einer Sprechstunde speziell für Hilfskräfte an der Uni begreifen wir als eine Ergänzung zum Angebot der Sozialberatung.

Die Sprechstunde ist auch Anlaufstelle, wenn eure Rechte als Arbeitnehmer_innen an der Uni nicht beachtet werden.

Die Interessenvertretung der wissenschaftlichen Hilfskräfte ist der Personalrat der Philipps-Universität. Wissenschaftliche Hilfskräfte können die Sprechstunde jedoch auch gerne nutzen, z.B. zum Austausch mit anderen WHKen oder um sich über die Arbeit der Hilfskraftinitiative zu informieren.1

  1. Der Ausschluss von studentischen Hilfskräften aus dem hessischen Personalvertretungsgesetz bleibt ein großes Problem. Dass es anders geht, zeigt das Beispiel Berlins: dort bilden studentische Hilfskräfte eigene Personalräte. Der Mangel einer gesetzlichen Interessenvertretung auch für studentische Hilfksräfte kann und soll durch das Angebot einer Hilfskraftsprechstunde nicht behoben werden. [zurück]

Uniweiter Leitfaden zur Verbesserung des Beschäftigungsverhältnisses als Hilfskraft eingeführt!

Nach zwei Jahren Arbeit in der Senatskommission für Hilfskraft-Stellen ist seit dem Sommersemester 2011 der Leitfaden für das Beschäftigungsverhältnis als wissenschaftliche oder studentische Hilfskraft gültig. Wir werten das als Erfolg für die Hilfskräfte der Philipps-Universität und sehen darin einen notwendigen Schritt hin zu weiteren Verbesserungen der Arbeitsbedingungen von Hilfskräften!

Der Leitfaden bietet wichtige Infos zu Rechten im Hilfskraftjob (u.a. Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Elterngeld) und zur Transparenz des Einstellungsverfahrens. Außerdem sind Arbeitgeber_innen angehalten, bei studentischen Hilfskräften einen monatlichen Beschäftigungsumfang von 30 Stunden und eine Vertragslaufzeit von 6 Monaten nicht zu unterschreiten. Für wissenschaftliche Hilfskräfte sind im Regelfall 82 Monatsstunden und eine 12monatige Vertragslaufzeit vorzusehen. WICHTIG: Dies sind Regelungen, die den Bedürfnissen von Studierenden entgegenkommen sollen, die ihr Studium durch einen Hilfskraftjob (teil)finanzieren müssen. Eine geringere Stundenanzahl und Vertragslaufzeit können AUF WUNSCH DES/ DER STUDIERENDEN vereinbart, dürfen jedoch nicht durch Arbeitgeber_innen vorausgesetzt werden. Ebenso ist eine höhere Monatsstundenzahl und längere Vertragslaufzeit weiterhin möglich. Es sollte jeweils geprüft werden, ob eine längerfristige Anstellung sinnvoll ist, insbesondere wenn sich dadurch die Planungssicherheit der Hilfskräfte erhöht, die Art der Tätigkeit dies nahe legt oder bürokratischer Mehraufwand, z.B. in Form von Wiedereinstellungen, so vermieden werden kann.

Fordert eure Rechte ein! Der Leitfaden soll euch dabei helfen. Teilt uns mit, wie der Leitfaden an eurem Fachbereich/ in eurer Einrichtung befolgt wird. Werden alle Hilfskraftstellen ausgeschrieben? Werden im Leitfaden angesetzter Beschäftigungsumfang und Vertragslaufzeit eingehalten? Bekommt ihr rechtzeitig eure Arbeitsverträge ausgestellt? Wird euer Recht auf Lohnfortzahlung bei Krankheit und bezahlten Urlaub beachtet?

Ihr könnt hier eine Nachricht an die Hilfskraftinitiative schreiben. Gern könnt ihr auch in unserer Sprechstunde montags, 14.30-15.30 im AStA vorbeischauen. Beide Wege könnt ihr auch nutzen, wenn ihr bei der Hilfskraftini mitarbeiten wollt.

Vorerst ist der Leitfaden für zwei Jahre in Kraft und wird zum WiSe 2012/13 evaluiert. Dabei sind eure Beobachtungen und Erfahrungen wichtig!

Klar ist, dass der Leitfaden schon jetzt an manchen Stellen überarbeitungsbedürftig ist: der Hilfskraftlohn von 8,50/ 10,-/ 13,50 Euro ist noch immer niedriger als das Lohnniveau von 1994! De fakto haben die hessischen Hochschulen durch mangelnde Angleichung der Hilfskraftlöhne an die Inflation seit 17 Jahren ordentlich Geld gespart, und zwar auf Kosten der studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräfte! Die Hilfskräfte an der Philipps-Uni haben schon einmal, zum WiSe 2008/09, eine Lohnerhöhung erstritten. Zeit, an alte Erfolge anzuknüpfen…

Tarifeinigung in Hessen – Hilfskräfte weiter benachteiligt!

Am 5. April hat sich das Land Hessen mit den Gewerkschaften auf eine Tariferhöhung geeinigt: Für die Landesbeschäftigten gibt es eine Einmalzahlung von 360 Euro sowie eine Lohnerhöhung um 1,5% zum 1.4.2011 sowie um 2,6% zum 1.3.1012. Die Gewerkschaften konnten ihre Forderung nach einer Ausweitung des Geltungsbereichs um die wissenschaftlichen Hilfskräfte leider nicht durchsetzen. Zumindest sollen die bisher ausgenommenen künstlerischen Lehrkräfte an Kunst- und Musikhochschulen zukünftig in den Tarifvertrag-Hessen (TV-H) einbezogen werden. Da Hilfskräfte weiterhin ausgenommen sind, werden sie auch nicht von dieser Tariferhöhung profitieren, es sei denn die Hochschulen nehmen sie zum Anlass, auch die Hilfskraftvergütung anzupassen. Kanzler Nonne hat bei der einmaligen Erhöhung der Hilfskraftvergütung 2008 aber schon angekündigt, dass er in dieser Hinsicht keinen Automatismus sieht.

Ein Erhöhung der aktuellen Stundensätze für Hilfskräfte an der Philipps-Universität von 8,50 Euro, 10,00 Euro und 13,50 Euro um 1,5% und nochmals um 2,6% würde zu folgenden Sätzen führen: 8,63 Euro/8,85 Euro, 10,15 Euro/10,41 Euro und 13,70 Euro/14,06 Euro. Die Hilfskraftvergütung war ab 1994 von der allgemeinen Lohnentwicklung abgehängt, die damals geltenden Stundensätze von 8,02 Euro für studentische Hilfskräfte und von 12,69 Euro für wissenschaftlichen Hilfskräfte wurden seit dem nur einmal, nämlich 2008, auf die nun geltenden Stundenlöhne angehoben. Durch die Inflation sind sie real deutlich gesunken: Würde alleine die vom Statistischen Bundesamt für die Jahre von 1995 bis 2010 ausgewiesene Inflation ausgeglichen, dann müssten sie heute bei 9,94 Euro und 15,72 Euro liegen! Daher wäre eine deutlich weitgehendere Lohnerhöhung für Hilfskräfte mehr als angebracht.